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Corona-Krise: Wie Kreditplattformen die Folgen für mittelständische Unternehmen abmildern können
Aktuelles

26.03.2020
Kreditplattformen können die Folgen für KMU abmildern

 

Der neuartige Coronavirus Sars-Cov-2, der gerade nicht nur Deutschland, sondern große Teile der Welt heimsucht, hat unser Leben in kürzester Zeit auf den Kopf gestellt. Das öffentliche Leben ist zum Erliegen gekommen, Ausgangssperren und Kontaktverbote wurden seitens der Politik verhängt, die meisten Geschäfte mussten auf unbestimmte Zeit schließen. Doch noch schwerwiegender als die gesundheitlichen und sozialen Folgen könnten die Auswirkungen auf die Wirtschaft wiegen. Viele kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) stehen unverschuldet vor dem Aus. Können digitale Kreditplattformen die Folgen der Coronakrise für KMU abmildern?

Der Corona-Ausbruch hat drastische Folgen für die Wirtschaft

Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die deutsche Wirtschaft sind bisher nur schwer abzuschätzen, aber sie sind in jedem Fall gravierend. Laut Ifo-Institut entstehen je nach Szenario zwischen 255 und 729 Milliarden Euro Kosten, wenn die Wirtschaft zwei Monate lang unter den derzeitigen Einschränkungen leiden muss und teilweise stillsteht, wie die Tagesschau berichtet. Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, rechnet damit, dass die deutsche Wirtschaft dann aufs Jahr betrachtet zwischen 7 und 20 Prozent schrumpfen könnte.

Einer der größten Verlierer ist die Luftfahrtindustrie. Deutsche Flughäfen meldeten vergangene Woche einen Einbruch der Passagierzahlen um fast die Hälfte. Aufgrund der strikten Ein- und Ausreisebeschränkungen haben Fluggesellschaften wie Lufthansa fast ihre gesamten Flüge gestrichen und einen Großteil ihrer Flugzeuge still gelegt. Ohne staatliche Hilfe wird die Airline mit dem Kranich im Logo diese Krise wohl kaum überstehen. 

Auch Deutschlands Automobilbranche musste durch Corona zur Vollbremsung ansetzen. Volkswagen, Daimler, BMW und Audi haben ihre Produktion teilweise ausgesetzt, die Bänder in vielen Fabriken stehen still. Da die Automobilindustrie hierzulande eine Schlüsselbranche darstellt, betrifft das nicht nur die großen Autobauer, sondern auch die Zulieferbetriebe. Insgesamt arbeiten in diesem Sektor mehr als 800.000 Menschen. Neben Autoindustrie und Luftfahrt leiden wohl die Hotel-, Tourismus- und Kulturbranche am stärksten. Hotelbuchungen sind eingebrochen, Urlaube wurden storniert und fast alle Veranstaltungen bis auf weiteres abgesagt. 

Doch nicht nur Großunternehmen sind durch die Krise in eine wirtschaftliche Krise geraten. Viele kleine und mittelständische Unternehmen sehen wirtschaftlich ungewissen Zeiten entgegen. Der Shutdown des öffentlichen Lebens betrifft diese Unternehmen besonders hart. Obwohl sie viele von ihnen ein gut laufendes Geschäft besitzen, ihre Produkte bislang nachgefragt wurden und ihr Kundenstamm gewachsen ist, müssen sie um ihre Zukunft bangen. Ihnen fehlt oftmals die nötige Liquidität, um die Krise durchzustehen.

Mittelständische Unternehmen leiden besonders stark unter der Corona-Krise

„Der Mittelstand kämpft um seine Existenz“, titelte etwa das Handelsblatt. Mittelstand und Selbstständige müssten nun drastisch ihre Kosten senken, um die Liquiditätsengpässe zu kompensieren, die durch die Krise zu erwarten sind. Der Staat hat die Lage frühzeitig erkannt und reagiert mit einem 750-Milliarden-Euro schweren Hilfsprogramm. Auf der Webseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) können sich Unternehmen über die Kondition der Soforthilfe informieren. Es handelt sich um das größte Hilfspaket in der Geschichte der Bundesrepublik. Über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sollen die Milliarden in Form von Bürgschaften und Krediten auf die Wirtschaft verteilt werden. 

Doch ob die Milliarden auch wirklich schnell und unbürokratisch bei den mittelständischen Unternehmen ankommen, daran gibt es Zweifel. Zum einen sind die Hilfskredite mit aufwendiger Bürokratie verbunden. Betroffene Unternehmen müssen dafür einen Antrag bei ihrer Hausbank stellen, die dann wiederum die Gelder von der KfW erhält. Die Unternehmen müssen sich einer Bonitätsprüfung unterziehen und nachweisen, dass ihr Geschäftsmodell vor der Krise tragfähig war. Das kostet Zeit, die diese Unternehmen gerade nicht haben.

Das sieht auch der Mittelstandsverbund so, ein Zusammenschluss von 230.000 kleineren und mittelgroßen Unternehmen. Der Verbund befürchtet laut WirtschaftsWoche ein „Massensterben kleiner und mittelständischer Unternehmen. Das größte Problem sei dabei nicht die Höhe der bereitgestellten Kredite, sondern die ineffiziente Verteilung der Gelder, bestätigt ein führendes Mitglied im Mittelstandsverbund gegenüber der WiWo.

„Das Problem ist nicht, dass zu wenig Mittel bereitgestellt werden – sondern dass das System zur Weiterleitung dieser Mittel von den staatlichen Stellen an den Unternehmer vor Ort zu lange dauert.“ Günter Althaus, ehemaliger Chef der Einkaufsgenossenschaft ANWR Group

Zum anderen hegen Experten Zweifel daran, dass die Banken die Gelder in vollem Umfang weiterreichen, und zwar aufgrund der Ausgestaltung der Kreditprogramme. Denn die Banken stehen mit bis zu 20 Prozent der Kreditsumme in der Haftung. Sollten die betroffenen Unternehmen die Kredite nicht zurückzahlen können, würden sich die Risiken in den Bilanzen der Banken niederschlagen. Warum sollten die Banken also Kredite mit unsicherem Ausgang an mittelständischen Unternehmen weiterreichen, wenn sie ein so hohes Risiko dabei tragen müssen? 

Wahrscheinlich werden die Banken deshalb bei der Bonitätsprüfung zwei Mal hinsehen, bevor sie die Kredite bei der KfW beantragen. Zudem ist die Kreditvergabe mit dem Gang in die Filiale verbunden und Unternehmen müssen sich auf vergleichsweise hohe Mindestkreditsumme einrichten, die ihre Bilanzen eventuell auf Jahre hinaus belasten. Welche alternativen Finanzierungsformen bleiben ihnen also sonst noch?

Kreditplattformen als alternative Finanzierungsform für den Mittelstand

Da es Zweifel an der Effizienz der staatlichen Hilfsprogramme gibt, wollen auch digitale Kreditgeber in Schieflage geratene mittelständische Unternehmen unterstützen, wie Finance Forward berichtet. Ihre Geschäftsmodelle sind seit jeher auf eine schnelle, effiziente und unbürokratische Kreditvergabe ausgelegt. Sie sind in der Lage auch kleinere Zwischenfinanzierungen bereitzustellen und verlangen im Gegensatz zu Banken keine Sicherheiten. Sie stellen damit für all jene Unternehmen eine echte Alternative dar, die ansonsten durch das Raster der Bankenfinanzierungen hindurch fallen würden. Sie haben in der Vergangenheit bereits bewiesen, dass sie Unternehmen schnell, zuverlässig und – vor allem – digital mit dem nötigen Kapital versorgen können.

Die junge Fintech-Branche hat darüber hinaus bereits Kontakt mit dem Finanzministerium und der KfW aufgenommen, um auch die Möglichkeit auszuloten, die Vergabe von staatlichen Notkrediten über ihre Plattformen durchführen zu können. Bisher ist das nicht möglich, denn dafür müssten Ministerium und Förderbank erst ihre Vergaberegeln anpassen. Auch steht die Frage der Haftung im Raum, falls Teile der Kredite nicht getilgt würden. 

Doch offenbar macht Not auch in den staatlichen Behörden erfinderisch und etwas geschieht, das noch vor wenigen Monaten undenkbar gewesen wäre: der Staat lotet eine mögliche Zusammenarbeit mit den Kreditplattformen aus. Laut einer KfW-Sprecherin prüfe die Förderbank derzeit eine mögliche Kooperation. Das Ministerium sei im Austausch mit allen Finanzmarktakteuren, die einen Beitrag leisten könnten. Hierzu würden auch Plattformanbieter und andere IT-Dienstleister zählen.

„Die derzeitige Situation erfordert Ansätze auch über die bekannten hinaus.“ KfW-Sprecherin

Auch der Bundesverband Deutsche Startups hofft auf eine baldige Lösung, auch um junge Unternehmen schnell mit Liquiditätshilfen zu versorgen. So zeigte sich der Chef des Verbands, Christian Miele, letzte Woche auf dem sozialen Netzwerk LinkedIn zuversichtlich, dass bald eine Lösung erreicht wird. 

„Wir stehen in engem und direkten Austausch mit dem Wirtschaftsministerium und der KfW um eine Lösung zu finden, damit auch den Startups Liquiditätshilfen zufließen können. Wir werden heute noch einen detaillierten Plan ans BMWI und die KfW geben. Wir bekommen das Signal, dass wir innerhalb weniger Wochen eine Lösung erhalten werden.“ Christian Miele, Bundesverband Deutsche Startups

Es bleibt zu hoffen, dass auf höchster Ebene schnell eine Entscheidung dazu getroffen wird. Denn für die kleinen und mittelständischen Unternehmen, die unverschuldet in eine wirtschaftliche Schieflage geraten sind, wird die Zeit knapp. Das legt eine Studie der Investmentbank J.P.Morgan Chase nahe, die die Barreserven von rund 600.000 kleineren und mittelständischen Unternehmen (Restaurants, Werkstätten, Einzelhändler, Dienstleister, Maschinenbauer, Bauunternehmer und Immobilienunternehmen) untersucht hat. Demnach verfügen diese KMU im Median nur über Barreserven für 27 Tage. Ein Viertel dieser Unternehmen könnte bis zu 62 Tage aus eigenen Reserven überbrücken, während wiederum ein Viertel nur Reserven für 13 Tage oder weniger aufweisen kann. 

Grafik über Barreserven kleiner und mittelständischer Unternehmen

Finanzierungsanfrage für Unternehmen auf Innovestment

Innovestment steht derzeit in engem Austausch mit seinen pan-europäischen Partnern. Gemeinsam wollen wir ausloten, wie Kreditplattformen in Zukunft - auch jenseits von Krisenzeiten - die Kreditvergabe an Unternehmen schneller und direkter gestalten können. 

Kleine und mittelständische Unternehmen, die derzeit erhöhten Kapitalbedarf haben, können sich auf Innovestment für eine Finanzierung bewerben. Wir bieten zwar keine kurzfristigen Brückenfinanzierungen an, aber Unternehmen, die in der Vergangenheit bewiesen haben, dass ihr Geschäftsmodell langfristig tragfähig ist, können bei uns direkt, kostenfrei und unverbindlich eine Finanzierungsanfrage aufgeben. Wir prüfen diese Anfragen zügig und geben Ihnen dann umgehend Bescheid.

bhp