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„Eine nachhaltige Welt bedeutet für uns auch finanzielle Inklusion” - Interview mit Peter Jäderberg von Jäderberg & Cie.
Aus unseren Projekten

29.07.2021
Peter Jäderberg Gründer und CEO der Jäderberg & Cie.-Gruppe im Interview

Nicht alles, wo Nachhaltigkeit drauf steht, ist auch wirklich nachhaltig. Der erfahrene Impact Investor Peter Jäderberg weiß: Insbesondere bei vermeintlich grünen Investments am Kapitalmarkt erzeugt nur ein minimaler Anteil auch wirklich eine nachhaltige Wirkung. Warum er die EU-Gesetzgebung zum Green Deal kritisiert, wie er seine erstes eigenes Crowdfundingprojekt erlebt hat und wo er in zehn Jahren stehen will - dazu findet der gebürtige Schwede und Wahlhamburger im Interview deutliche Worte. Das erste Interview können Sie hier finden.

Innovestment (INN): Insbesondere private Investorinnen und Investoren sind bei grünen Geldanlagen auf dem Vormarsch. Sie haben letztes Jahr 39,8 Milliarden Euro in nachhaltige Fonds und Mandate investiert – das sind 117 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Ergebnisse des jüngsten Marktberichts des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) muss doch Musik in Ihren Ohren sein, oder?

Peter Jäderberg (PJ): Diese Steigerungsrate hört sich gut an, ist aber auf einem viel zu niedrigen Niveau. Derselbe Bericht hebt auch hervor, dass lediglich 6,4 Prozent aller Fondsinvestments in Deutschland dem Nachhaltigkeitsbereich zuzuordnen sind. Also nur jeder 16. Euro. Das ist beschämend wenig. So werden wir die 2030er Nachhaltigkeitsziele nicht erreichen. Dabei fehlt weder der Wille der AnlegerInnen, noch mangelt es an wahrlich nachhaltigen Investitionsmöglichkeiten. Doch das „willige“ Kapital wird zumeist fehlgeleitet. 

Zunächst wird immer noch die Mär verbreitet, Nachhaltigkeit koste Rendite, was die meisten Menschen offenbar abschreckt, überhaupt grünen Geldanlagen zu vertrauen.  Wenn sich dann doch der Nachhaltigkeitswille durchsetzt, geschieht dies zu etwa 95 Prozent in Nachhaltigkeitsprodukte, die über den Kapitalmarkt abgewickelt werden, sprich: Aktienbörsen oder rein synthetisch als ETF. Eine positive Ausnahme können Green Bonds oder ELTIFS sein. 

Aber ich schätze, dass 99 Prozent der Aktieninvestments im Börsenkreislauf bleiben und lediglich ein Prozent tatsächlich die Unternehmen in der Realwirtschaft erreicht. Und davon wird dann auch nicht alles für Nachhaltigkeit eingesetzt.

INN: Was schlagen Sie stattdessen vor?

PJ: Wenn wir die Nachhaltigkeitsziele fördern wollen, brauchen wir nicht nur mehr Nachhaltigkeits-Effizienz in der Geldanlage, sondern wir müssen in Unternehmen und Projekten investieren, die eine wichtige, systemrelevante Veränderung als Lösung anbieten. Und das geht häufig am besten direkt in die Unternehmen bzw. Projekte und nicht über den Umweg der Börsen, der zudem teuer ist. 

Während ich den Missbrauch der Nachhaltigkeitsideale durch den Kapitalmarkt und die eher kontraproduktive EU-Gesetzgebung zum Green Deal kritisiere, geben sie uns allen Diskussionsstoff und Anschauungsunterricht, wie man es nicht machen sollte und damit eine geschärfte Orientierung, worauf es beim nachhaltigen Investieren ankommen sollte. Also ein besseres Gehör für wunderbare Melodien oder gar Symphonien. 

Besonders optimistisch stimmen mich die große und während der Pandemie international rapide gewachsene Anzahl von Menschen, die sich dem Impact Investing widmen. Allerdings ist dieser Begriff auch vom Kapitalmarkt „entführt“ worden und droht, an der Oberfläche sinnentleert zu werden.

INN: Können Anlegerinnen und Anleger denn auf den ersten Blick unterscheiden, ob ein Investment eine nachhaltige Wirkung hat oder nicht?

PJ: Wenn man nicht weiß, worauf man achten soll, befürchte ich eher nicht. Allein die aktuelle überwältigende Zahl der Nachhaltigkeitsprodukte, ich meine etwa 95 Prozent, haben keine nennenswerte tatsächliche Nachhaltigkeitswirkung. 

Damit möchte ich nicht sagen, dass es schlechte Finanzanlagen sind. Im Gegenteil. Diese werden auf Sicht besser abschneiden als die traditionellen Titel, die allein aufgrund von Finanzkennzahlen ausgewählt wurden. Es ist eine gute Wette auf Nachhaltigkeit, und vordergründig kann man ein gutes Gewissen suggerieren. Aber das Geld kommt kaum in der Realwirtschaft an und kann somit bereits systembedingt keine reale Nachhaltigkeit bewirken.

INN: JC Sandalwood Invest 18 war Ihr erster „Ausflug” in die digitale Vermittlungswelt. Wie haben Sie das erlebt?

PJ: Es waren erste spannende Schritte zusammen mit einem vertrauensvollen, erfahrenen Partner, Innovestment. Das Timing war eine Herausforderung – wir fingen ja im Frühjahr 2020, also direkt am Anfang der Pandemie, an. Die Verunsicherung in der Gesellschaft der letzten anderthalb Jahre verträgt sich nicht gut mit einem langfristig illiquiden Investment, zumal wenn es ein Nischenthema ist. Wenn Menschen hinsichtlich der nahen Zukunft verunsichert sind, parken sie ihr Geld verständlicherweise lieber an der Börse oder in Kurzläufer. 

Doch wir sind zuversichtlich und geduldig, auch auf diesem Weg viele Anlegerinnen und Anleger zu erreichen und zu begeistern. Die digitale Vermittlung macht den Zeichnungsprozess für alle Beteiligten leichter. Aber sie hat uns die Nähe zu unseren Anlegern auch ein bisschen genommen. Vermögensanlage ohne individuelle Beratung und ohne persönlichen Kontakt ist ebenso eine Herausforderung, die sich für alle stellt. Hier müssen wir gemeinsam lernen und neue Wege gehen. 

Rein strategisch, langfristig und als unsere Grundsatzentscheidung betrachtet, bedeutet eine nachhaltige Welt für uns auch finanzielle Inklusion. Mit anderen Worten sollte auch jede Privatanlegerin und jeder Privatanleger die Möglichkeit haben, an guten, nachhaltigen und attraktiven Investments zu fairen Konditionen zu partizipieren. Ansonsten geht die Kluft zwischen Superreichen und NormalbürgerInnen noch weiter auseinander, was eine Gefahr für die Stabilität einer Gesellschaft darstellt.

INN: Was macht Ihnen an Ihrem Job am meisten Spaß?

PJ: Ein vielschichtiges Thema. Ich bin in der glücklichen, privilegierten Lage, Unternehmer sein zu dürfen. Mein Betätigungsfeld bestimme ich weitestgehend selbst. Das heißt als erste Antwort, dass ich keinen „Job“ habe, sondern eher eine Berufung, mich darin auszutoben, was mir wichtig ist und Spaß macht. Verwaltungspflichten ausgenommen.

Mein Lebenslauf ist alles andere als linear, und wo ich heute, als Zwischenetappe, angekommen bin, habe ich mir auch vor zehn Jahren nicht ausgemalt. Aber wenn ich meinen Lebensweg rückwärts betrachte, ist eine stringente, quantensprunghafte Weiterentwicklung erkennbar.  

Heute darf ich als unternehmerischer Investor, also als Gestalter, mit Menschen und Projekten zusammenarbeiten, die sich dem Lösen von globalen Nachhaltigkeitsherausforderungen widmen. Zumeist werden neue Pfade begangen. Sogar sprachlich, in der Kommunikation, dürfen wir Begriffe neu erfinden. Freiräume kreativ gestalten. Teamarbeit mit Gleichgesinnten. Aufbruchstimmung. Das macht mächtig Spaß. Aber die Umsetzung ist zu 95 Prozent Fleiß und Disziplin. Daran haben andere mehr Freude als ich. Wenn die Projekte erfolgreich sind, schaffen wir Mehrwerte. Dabei ist das monetäre ein Nebeneffekt. Tatsächlich dazu beizutragen, dass die Welt nachhaltiger, umweltfreundlicher, sozialer oder ethischer wird, ist beseelend. Antrieb für mehr.

Ein weiteres Privileg ist es, sich mit gleichgesinnten Investoren, Unternehmern und Menschen austauschen zu dürfen. Die internationalen Netzwerke des Impact Investing sind voll von Menschen, die sich an Purpose, also an Sinnhaftigkeit, orientieren, die mit Herz, Seele und Verstand getrieben sind, mit gezielten investiven Vorhaben eine in vielerlei Hinsicht erheblich bessere Welt aktiv zu schaffen.

Aber auch die täglichen kleinen Dinge machen Freude: Schön, wohltuend und wohlriechend ist, dass uns im Büro und Zuhause überall Sandelholzprodukte umgeben:  Sandelholz-Lotion, Parfum, Tees, Schmuck, aboriginal Kunst etc. Das erinnert mich täglich daran, wie sehr sich meine jetzige Welt im Vergleich zu meiner damaligen Zeit an der Wall Street positiv verändert hat. Heute geht es bei mir nicht um fiktive Wetten an der Börse und das Analysieren von sinnentleerten Börsenmanipulationen, sondern um einen wertvollen Baum, der in vielen Kulturen als heilig angesehen wird, der durch die Kultivierung in Australien vor dem Aussterben gerettet wird und der uns Menschen über seine heilende und wohltuende Wirkung viele wunderschöne Produkte und Momente beschert. Mich erfreut besonders, in den täglichen Begegnungen mit Menschen auszutauschen und dazulernen zu dürfen – ob nun in unserem wachsenden Team, im internationalen Netzwerk oder mit Anlegern, die sich uns und unseren Vorstellungen und Lösungen einer besseren Welt anschließen.  

INN: Wo sehen Sie sich und Ihr Unternehmen in zehn Jahren?

PJ: In den nächsten zehn Jahren werden wieder so viele Türen aufgehen können. Zudem bewegen wir uns global in so gravierenden Umbrüchen, wie es zuletzt unsere Großeltern erlebt haben. 

2030 werden wir gemeinsam sehen, wie weit wir die vielen wichtigen Nachhaltigkeitsziele der UN erreicht haben und wo wir uns auf dem Weg zu einer idealerweise regenerativen Balance zwischen menschlichem Verhalten und der Natur befinden. 

Unternehmerisch werden wir dann mehrere Impact-Projekte erfolgreich abgeschlossen haben und noch viele weitere angeschoben haben. Wir werden Sandelholz in Naturkosmetik und -heilmitteln, in der Tier- und vielleicht sogar Humanmedizin, als Tee und Nahrung und als spirituellen Schmuck auf dem Markt sehen. Als Investment wird es dann ein Sandelholz-Token geben, der neben den Ernte-Einnahmen auch laufend Erlöse aus Klima-, Biodiversitäts- und Sozial-Zertifikaten umfasst. 

Zudem werden sich unseren Allianzen mit anderen Akteuren aus dem Impact Investing-Bereich erweitert und verfestigt haben, denn vertrauensvolle Kooperation ist für uns der Schlüssel zur notwendigen Skalierung von sinnvollen Nachhaltigkeits-Umwälzungen. 

Persönlich werde ich dann ein gesunder und besserer Lebenspartner, Vater, wohl auch Großvater sein. Das beinhaltet, näher an meinen Werten und als mutiger Bürger zu agieren.

INN: Herr Jäderberg, vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person:

Peter Jäderberg gründete während des Studiums seine erste Firma, die institutionellen Aktienhandel und -analyse an der NYSE betrieb (1985-1991). Die dort gewonnenen Einsichten und Erkenntnisse machten den gebürtigen Schweden zum überzeugten Börsen-Skeptiker und zum Anhänger von Nischen- und Sachwertinvestments. Von 2004 bis 2010 hat er zusammen mit seinem Team 28 internationale alternative Investment-Projekte in einem Dutzend unterschiedlicher, zumeist nachhaltigen Assets unternehmerisch initiiert, konzipiert und als White-Label-Produkte für Dritte umgesetzt. Hierin wurden über 1,5 Mrd. Euro investiert. 2009 lernte der seit seinem zwölften Lebensjahr in Hamburg Wohnhafte das australische Sandelholz-Projekt kennen. Dieses hat ihn derart nachhaltig beeindruckt, dass der zahlenaffine Entrepreneur dort zum ersten internationalen institutionellen Wald-Investor wurde. 

Hierfür wurde 2010 die Jäderberg & Cie.-Gruppe gegründet, die mittlerweile zusammen mit hochqualifizierten Partnern und Mitarbeitern zu einem der größten Sandelholz-Unternehmen der Welt aufgebaut wurde. Seit 2019 wurde das JC-Portfolio um weitere einzigartige Projekte erweitert, die grundlegende Nachhaltigkeitsherausforderungen disruptiv oder transformativ lösen. Peter Jäderberg engagiert sich in den internationalen Impact Investing-Netzwerken und trägt mit Artikeln, Interviews und Vorträgen zur Aufklärung der Öffentlichkeit bei, dass nachhaltiges Investieren lediglich eine Börsenwette auf Nachhaltigkeit ist, während allein Impact Investing in der Realwirtschaft Nachhaltigkeit zusätzlich und tatsächlich bewirkt.  

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