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Digitale Kreditfinanzierungen für Unternehmen weiter im Aufschwung
Aus der Branche

18.10.2020
Immer mehr Unternehmen verschaffen sich Kapital über digitale Plattformen.

 

Unternehmen sind immer wieder mit dem Thema Finanzierung konfrontiert und können dabei aus einer Vielzahl von Finanzierungsinstrumenten wählen. Der Trend geht weiterhin hin zur Finanzierung mit Fremdkapital über digitale Finanzierungsplattformen mit einem Wachstum von zuletzt 80 Prozent pro Jahr in den Jahren 2016 bis 2019. Wo liegen die Vorteile – und was unterscheidet eigentlich Fremd- und Eigenkapitalfinanzierungen?

Finanzierung als größte Herausforderung für Unternehmen

Es braucht Mut und Beharrlichkeit, um ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen. Das Thema Finanzierung stellt dabei für die meisten Unternehmer eine der größten Herausforderungen dar. Es begleitet alle Unternehmen egal in welcher Phase, vom Startup über das mittelständische Unternehmen bis zur börsennotierten Aktiengesellschaft. Besonders für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) gestaltet sich die Finanzierung jedoch besonders schwer. Sie haben nur begrenzten Zugang zu den Kapitalmärkten, obwohl ihr Kapitalbedarf nach wie vor hoch ist.

Wenn es um die Wahl der richtigen Finanzierung geht, dann setzen KMU klare Prioritäten, wie aus einer solarisbank-Studie hervorgeht. Am wichtigsten ist ihnen ein einfacher Finanzierungsprozess mit geringem bürokratischen Aufwand. Danach folgen transparente und günstige Konditionen der Finanzierung. Und auf dem dritten Platz der Prioritäten liegen laut solarisbank die Rahmenbedingungen der Finanzierung. Hier suchen die meisten KMU eine Finanzierung zwischen 1 und 6 Millionen Euro bei einer Laufzeit von 3 bis 6 Jahren.

Alternative Finanzierungen für Unternehmen im Aufschwung

Für viele dieser Unternehmen war der Weg zur Hausbank lange Zeit der einzige Weg, an frisches Kapital zu kommen. Das belegt eine Studie von Ebner Stolz Management Consultants und Wolff & Häcker Finanzconsulting. Demnach setzen über 90 Prozent des Mittelstands bei der Finanzierung weiterhin auf das klassische Bankgeschäft. Wer auf diesem klassischen Weg scheiterte, etwa weil er keine Sicherheiten vorweisen konnte oder weil der Bank das Geschäftsmodell zu risikoreich erschien, der hatte oftmals keine Aussicht, in weiteres Wachstum zu investieren. 

Seit einigen Jahren gibt es alternative Finanzierungsmöglichkeiten, die komplett digital ablaufen. Dazu zählt eine breite Palette an Plattformen, auf denen Privatpersonen und Unternehmen sich Finanzierungen auf einem Online-Marktplatz beschaffen können. Zu den alternativen Online-Finanzierungen zählen etwa Peer-to-Peer-Lending-Plattformen, auf denen sich Privatpersonen gegenseitig Geld leihen. Ebenfalls dazu zählen Equity-based-Crowdfunding-Plattformen, auf denen Privatpersonen und Beteiligungsgesellschaften Unternehmensanteile erwerben können. Und schließlich gehören auch klassische spenden- und gegenleistungsbasierte Crowdfunding-Plattformen in diesen Bereich. 

Diese digitalen Finanzierungsplattformen erlebten in Europa seit 2013 einen regelrechten Boom, wie aus einer Marktstudie der Cambridge University hervorgeht. Demnach hat sich das Finanzierungsvolumen dieser Plattformen zwischen 2013 und 2018 von anfänglich rund 400 Millionen US-Dollar auf über 7 Milliarden US-Dollar mehr als verzehnfacht (siehe Grafik 1).

Alternative Online-Finanzierungen in Europa (exkl. GB)
Finanzierungsvolumen zwischen 2015 und 2018 in Millionen US-Dollar

Digitale Finanzierungen wie Crowdfunding und Crowdlending erlebten in Europa in den letzten Jahren einen Boom.

Quelle: The Global Alternative Finance Benchmarking Report vom Cambridge Centre of Alternative Finance (CCAF)

Der Großteil des Wachstums ging dabei auf das Konto des Peer-to-Peer-Lending, bei dem sich Privatpersonen gegenseitig Geld leihen. Wenn man diesen Bereich herausnimmt und sich nur auf Unternehmensfinanzierungen konzentriert, erkennt man, dass auch der Markt für digitale Unternehmensfinanzierung in den letzten Jahren stark gewachsen ist (siehe Grafik 2). Der europäische Markt (ohne Großbritannien) wuchs zwischen 2013 und 2018 von rund 595 Millionen US-Dollar auf knapp 2,6 Milliarden US-Dollar. Allein von 2017 auf 2018 wuchs dieser Markt um 140 Prozent.

Alternative Finanzierungen für Unternehmen in Europa (exkl. GB)
Finanzierungsvolumen zwischen 2015 und 2018 in Millionen US-Dollar

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Quelle: The Global Alternative Finance Benchmarking Report vom Cambridge Centre of Alternative Finance (CCAF)

Nun kann man das Marktsegment der digitalen Unternehmensfinanzierungen noch einmal aufteilen nach Eigenkapital (equity), Fremdkapital (debt) und spenden- bzw. gegenleistungsbasierten Finanzierungen (non-investment). Dabei zeigt sich sehr deutlich, dass Finanzierungen mittels Fremdkapital den Großteil des Marktwachstums ausmachen (siehe Grafik 3). Sie waren für 81 Prozent des Finanzierungsvolumens (rund 2,1 Milliarden US-Dollar) verantwortlich, gefolgt von Eigenkapitalfinanzierungen mit 17 Prozent (rund 438 Millionen US-Dollar) und spenden- bzw. gegenleistungsbasierten Finanzierungen mit 2 Prozent (rund 61 Millionen US-Dollar).

Alternative Finanzierungen für Unternehmen in Europa (exkl. GB)
Anteil versch. Finanzierungsformen am Finanzierungsmix in Millionen US-Dollar

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Quelle: The Global Alternative Finance Benchmarking Report vom Cambridge Centre of Alternative Finance (CCAF)

Deutschland erlebt Aufschwung bei digitalen Kreditfinanzierungen

Blickt man auf Deutschland, zeigt sich auch hier ein immenses Wachstum des Marktes für alternative Finanzierungen. Der deutsche Markt wuchs von 2017 auf 2018 um 85 Prozent von rund 672 Millionen US-Dollar auf etwa 1,3 Milliarden US-Dollar. Damit stellt Deutschland nach Großbritannien und den Benelux-Staaten den drittgrößten Markt dar. Den Löwenanteil des Wachstums in Deutschland stellten dabei Kreditplattformen, die Finanzierungen mittels Fremdkapital für Unternehmen bereitstellen. Sie waren für 69 Prozent des Wachstums und ein Finanzierungsvolumen von rund 882 Millionen US-Dollar verantwortlich. Dagegen machten Crowdinvesting-Plattformen (Equity-based Crowdfunding), auf denen sich Unternehmen mittels Eigenkapital finanzieren, nur etwa 28 Prozent des Finanzierungsvolumens (351 Millionen US-Dollar) aus.

Fremdkapital bringt Vorteile für Unternehmen gegenüber Eigenkapital

Alternative Finanzierungen für Unternehmen existieren seit 2011 in Deutschland. Dazu zählen Crowdfunding-, Crowdlending- und Crowdinvesting-Plattformen. Diese Plattformen haben sich darauf spezialisiert, kleine und mittelständische Unternehmen mit dem nötigen Kapital zu versorgen. Sie unterscheiden sich jedoch stark, sowohl in der Ausgestaltung ihrer Produkte als auch in den Kapitalbeschaffungskosten, die für Unternehmen anfallen. Während einige dieser Plattformen sich auf Eigenkapital oder eine eigenkapitalähnliche Finanzierung spezialisiert haben, gehen andere den Weg der Misch- oder Fremdfinanzierung. 

Eigenkapital, wie es im klassischen Sinn etwa Venture-Capital-Gesellschaften oder Business Angels zur Verfügung stellen, birgt für Unternehmen auch mitunter Konsequenzen. Zum einen muss berücksichtigt werden, dass Eigenkapitalgeber als Miteigentümer Einfluss auf das Unternehmen nehmen können. Da sie in der Regel auf eine hohe Rendite spekulieren, werden sie womöglich auf eine kurzfristige, Exit-orientierte Geschäftsstrategie hinwirken. Eigenkapital-Finanzierungen sind meist mit einem hohen bürokratischen Aufwand und regelmäßigen Geschäftsberichten an die GesellschafterInnen verbunden. 

Die Anteile der bisherigen Gesellschafterkonstellation verwässern mit jeder Eigenkapitalrunde, was ihre langfristige Motivation für den Unternehmenserfolg beeinträchtigen kann, nämlich dann, insbesondere wenn die Anteile des Gründungsteams so niedrig sind, dass sie die Kontrolle über ihr Unternehmen verlieren und sich nur noch nach den Interessen ihrer Gesellschafter richten müssen. Und schließlich können Geschwindigkeit und Kapitalkosten gegen eine Eigenkapital-Finanzierung sprechen. Von Beginn bis zum Abschluss der Verhandlungen können 6 bis 12 Monate vergehen. Die Kapitalbeschaffungskosten für Eigenkapital liegen in der Regel deutlich höher als bei Fremdkapital. Dies rührt daher, dass mit vielen Eigenkapital-Runden unter anderem hohe Rechtsberatungskosten verbunden sind und die Transaktionskosten stark variieren.

Aus diesen Gründen wenden sich viele Unternehmen hin zu einer Fremdfinanzierung. Während Banken eine Finanzierung mit Fremdkapital nur gegen Sicherheiten offerieren, bieten digitale Kreditplattformen unbesicherte Darlehen an. Voraussetzung ist allerdings, dass die Unternehmen über ausreichend Umsätze verfügen, um die laufenden Zinszahlungen und später die Ablösung der Darlehen zu finanzieren. Kleine und mittelständische Unternehmen haben daher verschiedene Beweggründe, sich für eine digitale Finanzierung mit Fremdkapital zu entscheiden. 

  • Ein wichtiger Punkt für Unternehmerinnen und Unternehmer ist, dass sie keine Anteile an ihrem Unternehmen abgeben müssen und somit die Kontrolle über die Geschäftsausrichtung behalten. 
  • Sie müssen keine Exit-Erwartungen ihrer GesellschafterInnen erfüllen. 
  • Bei einer Fremdkapital-Finanzierung bleiben die Anteile der Gründerinnen und Gründer unberührt, es findet also keine Verwässerung statt. 
  • In der Regel sind solche Finanzierungen auch schneller als Eigenkapital-Finanzierungen. Viele Plattformen bieten schon während der laufenden Finanzierungsrunde die Möglichkeit von Teilauszahlungen an. 
  • Die Kapitalbeschaffungskosten von kreditbasierten Finanzierungen sind in der Regel geringer als bei Eigenkapital-Finanzierungen und die Transaktionskosten transparent. 
  • Und schließlich ist der Aufwand für Reporting und Due Diligence deutlich geringer als bei Eigenkapital-Finanzierungen.

Fremdkapital wird besonders bei Startups immer populärer

In den USA ist seit ein paar Jahren ein Trend ersichtlich, nachdem die Investitionen von Venture-Capital-Gesellschaften und Business Angels zurückgehen, wie aus einer Marktanalyse von Lighter Capital hervorgeht. Während 2014 beispielsweise noch mehr als 700 Finanzierungsrunden von Business Angels angeführt wurden, waren es Ende 2018 nur noch 152. Ähnlich verhält es sich bei VC-Investments. 2014 wurden noch rund 6.700 Deals mit 5 Millionen Dollar oder weniger gemeldet. 2018 waren es nur noch knapp 5.100, da sich VCs immer stärker auf spätere Phasen und größere Runden fokussieren. Die Zahl großer VC-Deals mit einem Volumen über 5 Millionen Dollar stieg im selben Zeitraum von rund 2.600 (2014) auf knapp 3.400 (2018).

Dadurch entsteht eine Finanzierungslücke, die vor allem von Kreditplattformen gefüllt wird. In Deutschland beträgt diese Lücke für KMU etwa 36 Milliarden Euro, wie aus der solarisbank-Studie hervorgeht. Auch in den USA gibt es nicht genügend Kapital für KMU. Dort ist bereits ein regelrechter Boom in der digitalen Kreditvermittlung entstanden, wie Techcrunch berichtet. Demnach ist eine Fremdfinanzierung besonders unter Startups mit monatlichen Umsätzen von mindestens 15.000 US-Dollar die populärste Form der Finanzierung. Besonders junge Unternehmen mit einem Software-as-a-Service-Geschäftsmodell (SaaS) wenden sich verstärkt dieser Finanzierungsform zu. Denn gerade sie stoßen bei Banken selten auf Verständnis für ihr innovatives Geschäftsmodell.

Diese Unternehmen eignen sich besonders gut für Finanzierungen mit Fremdkapital, denn sie haben die Entwicklungskosten bereits hinter sich, verfügen über eine Kundenbasis und ein schnell skalierbares Geschäftsmodell. Sie sehen in einer Fremdfinanzierung die Möglichkeit, ein organisches Wachstum zu verfolgen und mögliche Eigenkapitalrunden auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Dadurch sind sie nicht gezwungen, ständig neue Eigenkapitalrunden durchzuführen und ihre Anteile immer stärker zu verwässern. Stattdessen finanzieren sie sich, in dem sie einen Anteil ihrer künftigen Umsätze an Investoren abtreten, üblicherweise zwischen zwei und neun Prozent, wie aus der Marktanalyse von Lighter Capital hervorgeht.

Fazit: Digitale Kreditfinanzierungen stellen für Unternehmen eine echte Alternative dar

Für Unternehmen, die derzeit auf Kapitalsuche sind und bereits Umsätze verzeichnen, können digitale Kreditplattformen wie Innovestment eine sinnvolle Erweiterung im Finanzierungsmix sein. Sie überzeugen durch eine einfache Handhabe und eine schnelle Verfügbarkeit des Kapitals. Das gibt Unternehmerinnen und Unternehmern die Chance, sich auf Wachstum zu konzentrieren, ohne bei jeder Finanzierungsrunde neue Gesellschafter an Bord holen zu müssen. Diese Vorteile scheinen sich auch langsam herum zu sprechen, wie Daten aus Europa und den USA zeigen. In beiden Märkten wachsen die Finanzierungsvolumen, die über digitale Kreditplattformen bereitgestellt werden.  

In Deutschland gibt es eine Reihe an Anbietern, die sich in ihren Produkten und Konditionen stark unterscheiden. Während einige Anbieter direkte Kredite (Fremdkapital) anbieten, haben sich andere Plattformen auf Nachrangdarlehen (Mezzaninekapital) spezialisiert. Als Voraussetzung für eine Finanzierung erwarten diese Plattformen in der Regel, dass das Unternehmen seinen Sitz in Deutschland hat und genügend Umsätze vorweisen kann, um laufende Zinsen zu bedienen. Dazu werden meistens die Jahresabschlüsse der vergangenen Jahre als Grundlage für eine Risikoprüfung herangezogen.

Was die Kosten für Unternehmen anbelangt, variieren die Plattformen auch hier stark. Die meisten Anbieter verlangen eine einmalige Gebühr für Risikoprüfung und Aufsetzen der Finanzierungsrunde. Hinzu kommt eine Provision auf das eingeworbene Kapital sowie eine geringe jährliche Verwaltungsgebühr. Damit liegen die Kosten der Kreditplattformen häufig noch unter den Kapitalbeschaffungskosten einer Eigenkapital-Finanzierung und sparen zugleich hohe Rechtsberatungskosten sowie harte Verhandlungen über den Unternehmenswert. Der Trend zur Finanzierung per Plattform hält weiter an!

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bhp