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Was den Mittelstand von Konzernen unterscheidet
Schwerpunktthema

17.08.2020
Mittelstand

Der Mittelstand gilt als Innovations-, Technologie- und Wirtschaftsmotor Deutschlands. Seine Definition ist klar geregelt: Der Begriff bezeichnet die Gesamtheit der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie der Selbstständigen. Eine Klassifizierung lautet: Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 1 Mio. Euro bzw. weniger als 50 Mio. Euro oder mit zehn bis 499 Beschäftigte gelten als mittelständisch.

Nachstehend einige Zahlen, die die Wichtigkeit des Mittelstands in Deutschland verdeutlichen:

  • 3,5 Millionen Unternehmen in Deutschland sind KMU
  • 99,6 % sämtlicher Unternehmen in Deutschland sind KMU
  • 83,0 % aller Lehrlinge werden in KMU ausgebildet
  • 58,0 % sämtlicher sozialversicherungspflichtiger Beschäftigten arbeiten in KMU
  • 97,1 % der deutschen Exporteure sind KMU
Mittelstand auf einem Blick

Die Besonderheit des Mittelstands liegt jedoch nicht unbedingt in der Unternehmensgröße, sondern in seiner Struktur. Viele kleine und mittelgroße Unternehmen sind in Familienhand oder inhabergeführt. Das bewirkt eine Herangehensweise, die man im Englischen als "entrepreneurial" bezeichnet: sie ist stark unternehmerisch geprägt. Aus der Einheit von Leitung und Eigentum entsteht eine nachhaltige, verantwortungsbewusste Führung. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) Eric Schweitzer hat es mal auf den Punkt gebracht:

„Mittelständler zu sein ist eine Geisteshaltung.“

Daraus entwächst auch eine besondere, von Werten geprägte Unternehmenskultur. Im Vordergrund steht eine langfristige Vision. InhaberInnen eines (Familien-)Unternehmens setzen üblicherweise alles daran, ihr Vermächtnis an die nächste Generation weiterzugeben. Sie vermitteln Beständigkeit und agieren vor- und weitsichtig zugleich. Durch schlankere Strukturen und flachere Hierarchien sind die Führungskräfte meistens nahbarer und präsenter als in Konzernen. Das führt auch innerhalb der Teams zu einem stärkeren Zugehörigkeitsgefühl und sorgt für ein “Wir-Gefühl”. 

Die schlankeren Strukturen haben einen weiteren wichtigen Vorteil: Sie beschleunigen den Kommunikationsfluss und verkürzen die Entscheidungswege. Wird eine Herausforderung erkannt, bekommt sie üblicherweise sofort die volle Aufmerksamkeit der Geschäftsführung. Und das macht den Mittelstand so beweglich. 

Das sieht in Konzernen ganz anders aus. Große Unternehmen sind eher struktur- und prozessgetrieben. Entscheidungen müssen zunächst durch bestimmte Gremien, der Kreis an Stakeholdern ist deutlich größer. Zudem werden sie in der Regel von angestellten ManagerInnen geführt. Das impliziert zwar hohen Einsatz, muss aber kein Commitment für ein langes Miteinander sein. 

Und schon gar nicht für nachhaltiges Wirtschaften. Denn insbesondere bei börsennotierten Konzernen geht es nur um Wachstum. Kein Wunder, die Aktionäre wollen ihre Dividenden haben, die Manager ihr - häufig an den Gewinn gekoppelten - Gehalt. Deshalb müssen schnell gute Zahlen her. 

Nun ist natürlich auch die Geschäftsführung eines KMU an Gewinnen interessiert. Nur ist sie in deren Verwendung freier. Wenn in einem Jahr viel investiert wird und dadurch der Gewinn geschmälert wird, erzeugt das keinen Sturm im Wasserglas an den Börsen, sondern dient dem eigenen Wachstum. 

Das Wachstum aus eigener Kraft ist im Mittelstand eine Möglichkeit. Doch was tun, wenn auch darüber hinaus Kapital benötigt wird? Digital finanzieren beispielsweise. Mehr dazu lesen Sie in unserer Serie zum Thema.

bhp