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Wie das Kölner Startup Sugartrends die Innenstädte wiederbelebt
Aus unseren Projekten

14.05.2021
Die Innenstadt der Hansestadt Lüneburg in Niedersachsen.

Die Innenstädte in Deutschland stehen seit Jahren vor großen Herausforderungen. Einzelhändler kämpfen angesichts der wachsenden digitalen Konkurrenz ums Überleben. Die Corona-Pandemie hat die Situation für sie noch einmal verschärft. Einen möglichen Ausweg bietet das Kölner Startup Sugartrends, das 2016 über Innovestment finanziert wurde, mit seinem Online-Marktplatz für Einzelhändler. Sugartrends ist überzeugt: die Zukunft des Einzelhandels ist eine Verschmelzung aus analoger und digitaler Welt.

Der Trend beim Einkaufen geht hin zum Online-Shopping. Immer mehr Deutsche kaufen Textilien, Haushaltswaren und Geschenke online. Dieser seit Jahren anhaltende Trend löst in Deutschlands Innenstädten einen Teufelskreis aus: weniger Besucher führen zum Schließen vieler Läden, was wiederum weniger Besucher in den Innenstädten bedeutet. Dieses Sterben der Innenstädte ist in vollem Gange. Laut einer Studie des IFH Köln könnte sich die Zahl der stationären Einzelhändler so in den nächsten zehn Jahren um ein Viertel reduzieren.

Corona hat die Krise des Einzelhandels verschärft

Corona wirkt nun als zusätzlicher Brandbeschleuniger. Durch die Lockdowns waren viele Einzelhändler gezwungen, ihre Geschäfte wochenlang zu schließen. Dadurch erledigen auch Kunden, die bisher nicht online eingekauft haben, ihre Besorgungen nun im Internet. Die Einzelhändler kämpfen nicht nur mit Umsatzeinbußen, sondern bleiben auch auf einem Großteil ihrer Ware sitzen, wie Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) erklärt:

„Schon vor Corona ist jedes dritte Teil Damenoberbekleidung online gehandelt worden. Wenn die Krise irgendwann vorbei ist, sie ist ja noch lange nicht vorbei, ist fraglich, was die Innenstadthändler zurückerlangen können. Insbesondere der stationäre Textil-, Bekleidungs- und Schuhhandel sitzt nach dem Lockdown auf Millionen unverkaufter Artikel und durchschreitet jetzt eine lange Durststrecke mit völlig unzureichenden, existenzbedrohenden Frequenzen, Umsätzen und Erträgen.“ 

Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg

Die Pandemie löst einen großen Digitalisierungsschub in der Gesellschaft aus. Digitale Bildung, digitales Arbeiten und digitales Einkaufen werden immer wichtiger. Hier liegt die Chance für Einzelhändler, die Krise zu überstehen und sogar gestärkt daraus hervorzugehen, wenn sie es schaffen, den Digitalisierungsschub zu ihren Gunsten zu nutzen, in dem sie analogen und digitalen Einkauf stärker verbinden.

„Corona ist ein Brandbeschleuniger. Wir müssen sehen, was nach der Krise noch vom traditionellen Käuferverhalten übrig bleibt. Je länger diese Phase anhält, desto nachhaltiger werden sich Veränderungen ergeben. Stationärer und Online-Handel werden sich stärker verschränken. [...] Mittelständische, inhabergeführte Geschäfte zögern zu Recht, sich selber ins Onlinegeschäft mit all seinen Hürden und Untiefen zu begeben. Die Möglichkeit, eine bestehende Plattform zu nutzen anstatt eine eigene aufzubauen, liegt dabei nahe.“

Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg

Kölner Startup Sugartrends bietet Einzelhändlern eine Plattform

Der Kölner Laden „Lillyed für dich“ ist dank Sugartrends gut durch die Krise gekommen.

Das Kölner Startup Sugartrends setzt genau hier an. Es bietet Einzelhändlern eine digitale Plattform, um ihre Produkte online sichtbar zu machen und so vom veränderten Kaufverhalten der Kundschaft zu profitieren. Doch Sugartrends verschafft Einzelhändlern nicht nur die nötige Sichtbarkeit, sondern wickelt auch Bestellungen und Bezahlungen für sie ab. Denn ein wesentlicher Faktor, warum Einzelhändler bisher gezögert haben, eine Online-Präsenz aufzubauen, ist der erhebliche Mehraufwand zusätzlich zum alltäglichen Geschäft. Zudem verzichtet Sugartrends während der Krise auf eine Einstiegsgebühr, da auch mangelndes Budget besonders seit dem Lockdown eine große Hürde für kleine Unternehmer bedeutet. 

Hinter der Idee von Sugartrends steckt das Team rundum Geschäftsführer und Mitgründer Dr. Christian Schwarzkopf. Sie wollen mit Sugartrends „einen Marktplatz für die schönsten Geschäfte der Welt“ schaffen. Sie verfolgen dabei einen Boutique-Ansatz, denn alle Einzelhändler auf der Plattform sind handverlesene schicke Geschäfte, deren Produkte sich auch gut verschenken lassen. Und dieses Prinzip funktioniert bestens: Sugartrends ist auf Wachstumskurs. 2020 knackte das Kölner Startup die Millionengrenze beim Umsatz. In diesem will das Team von Sugartrends den Umsatz verdreifachen.

Kann Sugartrends den Einzelhandel durch die Krise bringen?

Wie wertvoll Sugartrends gerade in Zeiten der Pandemie für kleine Läden sein kann, zeigt die Geschichte des Kölner Ladens „Lillyed für dich“. Das Sortiment von Geschäftsführerin Linda Rech besteht hochwertigen Waren aus ganz Europa. Da stehen Ledertaschen aus Köln, neben dänischen Spielzeugen und französischen Schuhen. Linda Rech machte damit 14 Jahre lang ein gutes Geschäft, doch mit dem Lockdown kamen die Probleme.

Sie setzte zunächst auf den Verkauf von Stoffmasken, um sich über Wasser zu halten, doch die Gewinneinbußen waren zu groß. 75 Prozent ihres Umsatzes war von heute auf morgen weg. Dann entdeckte die Kölner Einzelhändlerin Sugartrends. Sie begann, ihr Sortiment auf der Plattform anzubieten und konnte somit das Überleben ihres Ladens sichern. „Ohne Sugartrends wäre ich heute pleite“, sagte sie gegenüber dem Handelsblatt.

Neben „Lillyed für dich“ sind bereits 500 Läden auf Sugartrends vertreten. Die meisten davon (70 Prozent) stammen aus Deutschland, der Rest ist über Europa verteilt. Mit ihrem Konzept konnte Sugartrends nicht nur die Investorinnen und Investoren auf Innovestment überzeugen. Inzwischen sammelte das Kölner Startup 4,5 Millionen Euro von professionellen Investoren wie Thomas Pirlein, CIO von der Theo-Müller-Gruppe, den früheren SAP-Entwicklungsvorstand Peter Zencke ein oder Dr. Roland Egerer, Geschäftsführender Gesellschafter bei FEP Frankfurt Equitypartner GmbH. Letzterer erklärt im Interview, was ihn an Sugartrends überzeugt hat:

Das Sortiment von Geschäftsführerin Linda Rech besteht aus hochwertigen Waren aus ganz Europa

„Es ist heutzutage schwer, einen elektronischen Marktplatz zu kreieren, der eine Innovation darstellt und für den ein nachhaltiger Bedarf besteht. Boutiquen haben von Haus aus nicht die technischen Voraussetzungen und auch nicht die Bekanntheit, neben ihrem Hauptgeschäft des stationären Handels, zusätzlich Produkte im Internet zu verkaufen. Sugartrends schließt genau diese Lücke und bietet Endkonsumenten ein innovatives Shopping Erlebnis.“ 

Dr. Roland Egerer, Geschäftsführender Gesellschafter bei FEP Frankfurt Equitypartner GmbH

Der nächste Schritt für Sugartrends liegt in der Expansion. Man wolle genügend Läden in einer Stadt oder Region auf der Plattform haben, um ein echtes Einkaufserlebnis für die digitale Kundschaft zu erzeugen. Der Fokus der Expansion liegt derzeit auf den Niederlanden. Weitere Ideen sind Kooperationen mit der Reise- und Tourismusbranche nach der Pandemie. Dann könnten Urlauberinnen und Urlauber schon während des Fluges nach Amsterdam in den lokalen Läden einkaufen. Wir drücken Sugartrends in jedem Fall die Daumen für den zukünftigen Erfolg, denn das Unternehmen verkörpert unsere drei Kernwerte – Innovation, Unternehmertum und Nachhaltigkeit.

Wenn Sie selbst im SugarTrends Shop stöbern wollen, schauen Sie doch mal vorbei unter: https://www.sugartrends.com/de

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bhp